Anleitung: Nodalpunkt finden

Ich beschäftige mich zur Zeit viel mit Panoramafotografie. Dafür habe ich mir das Samyang 8mm/3.5 Fish-Eye Objektiv und einen pano-MAXX-Panoramakopf gekauft. Um nun ein perfektes Panorama zu erstellen, muss der Nodalpunkt gefunden werden.

Als Knotenpunkte (engl. nodal point, von node „Knoten”) oder auch Nodalpunkte eines abbildenden optischen Systems bezeichnet man die Punkte auf der optischen Achse, auf die die Lichtstrahlen, die im selben Winkel zur optischen Achse in das System eintreten wie sie es auch wieder verlassen, scheinbar zulaufen (vorderer Nodalpunkt) bzw. von dem sie scheinbar ausgehen (hinterer Nodalpunkt). Befindet sich vor und hinter dem optischen System ein Medium mit derselben Brechzahl, so fallen die Nodalpunkte mit den Hauptpunkten zusammen (das sind die Schnittpunkte der Hauptebenen mit der optischen Achse).

Quelle: Wikipedia

Nun – das hört sich erst mal kompliziert an. Ist aber eigentlich ganz einfach. Unser menschliches Auge dreht sich um den Nodalpunkt. Eine Kamera auf einem Stativ nicht. Das ist normal kein Problem – will man aber mehrere Fotos aneinander fügen – also ein Panorama erstellen – dann schon. Denn dafür müssen die Einzelfotos nahtlos aneinander passen. Dieses kann man erreichen indem man die Kamera nicht über den Kameramittelpunkt dreht, sondern über einem bestimmten Punkt – dem Nodalpunkt – des Objektives. Und dummerweise ist diese Punkt abhängig von Kamera und Objektiv. Also immer woanders.

Also hier mal eine “Anleitung für dummies” – hoffe ich. Eine Anmerkung zu den Fotos: dabei habe ich mir so gar keine Mühe gegeben was die Fotoqualität anbetrifft, da ich das für diese Anleitung nicht für wichtig halte. Sie wurden einfach im Automatik-Modus von mir aufgenommen. Es geht ja hier um den Inhalt und nicht die perfekte Belichtung.

Wie finde ich also den Nodalpunkt?

1. Der Aufbau

Zum einen brauche ich irgendeinen Aufbau, an dem ich Abstände messen kann. Üblicherweise arbeitet man hier mit parallelen Linien. Muss man aber nicht. Denn für die Ausrichtung ist sowieso nur ein minimaler Bereich nötig. Ich versuche dieses hier möglichst einfach zu erklären.

Zuerst einmal mein Aufbau: 2 Stangen. Diese werden in einem Abstand von ca. 2-3 Metern in die Erde gesteckt. Ich habe dabei versucht die Dinger halbwegs gerade rein zu bekommen. Ist mir nicht ganz geglückt – aber auch nicht so wichtig. Warum – das wird gleich deutlich. Davor habe ich die Kamera positioniert. Der Abstand zur ersten Stange ist ca. 30cm. Warum so dicht? Weil der Nodalpunkt gerade dann wichtig ist, wenn man z.B. in Räumen etc. fotografiert. Also dann, wenn Dinge nahe dran sind. Bei Landschaftsaufnahmen kann man Panoramen sogar Freihand erstellen. Je dichter aber das Motiv dran ist, um so schwieriger wird es. Es ist also naheliegend, dass man den Nodalpunkt besser und genauer findet, wenn man ihn an nahen Gegenständen misst.

2. Mitte finden

Ganz wichtig ist der Anfang. Man muss die Mitte finden. Also den Punkt auf der Horizontalen, bei dem das Objektiv genau über dem Mittelpunkt des Panoramakopfes ist. Dafür stelle ich die obere Schiene senkrecht und die Kamera nach unten. Nun verschiebe ich auf der horizontalen unteren Leiste so lange hin und her, bis der mittlere Messpunkt der Kamera genau auf die Schraube zeigt.


Mitte finden und merken

Diesen Punkt merke ich mir und markiere ihn mit Bleistift der Skala. Dieser Punkt gilt für diese Kamera immer – unabhängig vom jeweiligen Objektiv. Dabei ist es wichtig, dass die Kamera genau per Wasserwaage ausgerichtet ist. Ich benutzte dafür eine kleine Wasserwaage, die man auf den Blitzschuh der Kamera stecken kann. So ein Teil ist für die Panoramafotografie sehr nützlich und kostet auch nicht viel. Die gerade Ausrichtung ist beim Erstellen eines Panoramas das wichtigste. Nur dann macht die Einstellung des Nodalpunktes wirklich Sinn.

3. Nodalpunkt finden

Jetzt geht es um die horizontale Einstellung an der oberen Skala. Dafür stelle ich die Kamera in Hochkantformat und die obere Skala wieder horizontal. Dann richte ich die Kamera so aus, dass der vordere Objektivteil in etwa über dem Mittelpunkt liegt. Dieses ist erst einmal eine grobe Schätzung des Nodalpunktes.

Nun geht es los und ich mach die ersten beiden Fotos. Wichtig: immer wieder ein Blick auf die Wasserwaage! Sonst ist die ganze Aktion sinnlos. Wie das Foto direkt auf die Stangen aussieht – das interessiert nicht. Interessant sind nur die Randbereiche.

Ich drehe die Kamera also zuerst so weit nach links, bis die Stangen im rechten Drittel fast am Rand sind und schieße ein Foto. Dann drehe ich die Kamera ganz nach Rechts bis die Stangen im linken Drittel fast am Rand sind und schieße das 2te Foto. Diese beiden Fotos werden nun verglichen. Dabei interessiert mich nur der Teil mit den Stangen. Also rufe ich das erste Foto auf und vergrößere es im Display bis zum Anschlag. Dann nehme ich mir ein Lineal und messe an einem günstigen Punkt den Abstand. Bei mir hat die vordere Stange noch eine Waagerechte – die Stelle bietet sich für die Messung als an. Dann rufe ich das 2te Foto auf und messe auch hier den Abstand an der gleichen Stelle. Idealerweise sind beide Abstände gleich = der Nodalpunkt ist gefunden.

Wie man an dem Foto oben sieht sind die Abstände unterschiedlich.

Nun verschiebe ich die Kamera an der oberen horizontalen Skala ein wenig – so ca. 1 cm nach vorne und mache die nächsten 2 Fotos wie oben beschrieben und vergleiche wieder. Wird der Unterschied größer, dann habe ich in die falsche Richtung geschoben und schiebe nun 2cm nach hinten. Nun ist der Unterschied geringer – aber immer noch nicht gleich. So – jetzt kommt das Geduldsspiel: millimeterweise die Kamera horizontal verschieben – Fotos machen – vergleichen… und das so lange, bis auf beiden Fotos der Abstand gleich ist.

Nun ist der Nodalpunkt gefunden. Diesen markiere ich mir auch wieder auf der Skala und merke mit die Zahl. Es ist ein wenig Arbeit und viel Geduld notwendig – aber: ist der Nodalpunkt einmal gefunden, dann machen 360°-Panoramen richtig Spaß. Und schließlich muss man das ganze pro Objektiv auch nur einmal richtig machen.

Der Nodalpunkt bei pano-MAXX + Canon 60D + Samyang 8mm/3.5 Fish-Eye liegt bei 36mm untere Skala + 92mm obere Skala



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